Leitfaden Kalkulation & Angebote

3D-Druck kalkulieren: Kosten, Marge und Angebotsformel

Berechne den Preis eines FDM-3D-Drucks aus Filament, Maschinenzeit, Arbeit, Ausfallrisiko, Gemeinkosten und Zielmarge.

Aktualisiert 2026-07-13 10 Min. LesezeitVon zaps.work

Ein nachhaltiger 3D-Druckpreis muss mehr als Filament bezahlen. Er deckt Drucker, Strom, aktive Arbeitszeit, Ausschuss, Fehldrucke, Verpackung und den Gewinn ab, den dein Betrieb zum Weiterarbeiten braucht.

KurzformelAngebot = Gesamtkosten ÷ (1 − Zielmarge)

Berechne zuerst die vollständigen Auftragskosten. Wende danach die Margenformel an und berücksichtige Mindestauftragswert, Versand und Steuern.

1. Die echten Druckkosten berechnen

Trenne zunächst die variablen Kosten. Nutze für das Filament die Materialschätzung des Slicers, weil sie Stützmaterial und weitere gedruckte Reste einschließt. Ein Maschinenstundensatz verteilt Anschaffung, Wartung, Düsen, Druckbetten und späteren Ersatz auf realistische abrechenbare Stunden.

Strom ist oft kleiner als Material oder Arbeit, wird bei langen Drucken aber relevant. Als Arbeitszeit zählen Dateiprüfung, Slicing, Einrichtung, Materialwechsel, Entfernen von Stützen, Schleifen, Montage, Qualitätskontrolle, Kundenkommunikation und Verpackung.

Filamentkosten = (verbrauchte Gramm ÷ Spulengewicht) × Spulenpreis

2. Ausfallrisiko, Gemeinkosten und Zusatzkosten ergänzen

Haftungsprobleme, Filamentfehler, Stromausfall oder Geometrie können einen Druck zerstören. Leite eine normale Ausfallquote aus deinen eigenen Daten ab und verteile die erwarteten Kosten auf erfolgreiche Aufträge.

Verpackung, Zukaufteile, Magnete, Einsätze, Klebstoffe, externe Nachbearbeitung sowie Plattform- und Zahlungsgebühren gehören in die Kalkulation. Software, Werkstatt, Versicherung, Verwaltung und Marketing dürfen über Maschinen- oder Arbeitssätze oder separat verteilt werden – aber nur einmal.

3. Die Zielmarge korrekt anwenden

Aufschlag und Marge sind nicht dasselbe. Ein Aufschlag von 30% auf 50 Euro Kosten ergibt 65 Euro und nur 23,1% Marge. Für echte 30% Marge teilst du die Kosten durch 0,70. Prüfe den resultierenden Preis anschließend am Markt, ohne deine Kostenuntergrenze aufzugeben.

Preis bei Zielmarge = Gesamtkosten ÷ (1 − Marge)

4. Beispiel für ein 3D-Druckangebot

Ein zweiteiliger FDM-Auftrag benötigt 180 g Filament, 12 Maschinenstunden und 45 Minuten Vorbereitung und Nacharbeit. Material mit Ausschuss kostet 4,75 Euro, Maschine 18, Strom 0,26, Arbeit 21, Verpackung 2,50 und die Ausfallreserve 2,30. Die Gesamtkosten betragen 48,81 Euro.

Bei 30% Zielmarge liegt der Nettopreis bei 69,73 Euro. Der Betrieb kann auf 70 Euro runden und Versand sowie Steuer ergänzen. Gilt ein Mindestauftragswert von 75 Euro, hat dieser Vorrang.

5. Einen Mindestauftragswert festlegen

Auch kleine Aufträge brauchen Nachrichten, Einrichtung, Slicing, Prüfung und Zahlungsabwicklung. Ein Mindestpreis verhindert, dass eine rechnerisch gute Prozentmarge nur einen unbedeutenden Gewinnbetrag liefert. Orientiere ihn am kleinsten Auftrag, für den sich eine Unterbrechung deines Ablaufs lohnt.

6. Aus der Kalkulation ein professionelles Angebot machen

Kunden benötigen normalerweise nicht deine interne Kostenaufteilung. Nenne Menge, Material, Farbe, Oberfläche, Toleranzen oder Annahmen, Stückpreis, Gesamtbetrag, Lieferzeit, Gültigkeit, Versand und Steuer. Halte außerdem fest, welche Dateiversion kalkuliert wurde.

Änderungen an Design oder Menge sollten ein neues Angebot auslösen. Im kostenlosen 3D-Druckkostenrechner kannst du mehrere Positionen erfassen, die Marge prüfen, einen Mindestpreis anwenden und ohne Konto PDF oder CSV exportieren.

Checkliste für wiederholbare 3D-Druckkalkulationen

  • Material- und Zeitschätzung des Slicers verwenden.
  • Stützen, Ausschuss und Verbrauchsmittel einrechnen.
  • Maschinenbelegung und aktive Arbeit berechnen.
  • Normale Fehldrucke berücksichtigen.
  • Verpackung und Zukaufteile ergänzen.
  • Die korrekte Margenformel anwenden.
  • Mit dem Mindestauftragswert vergleichen.
  • Leistungsumfang, Annahmen, Lieferzeit und Gültigkeit dokumentieren.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen

Wie viel sollte ich pro Gramm 3D-Druck berechnen?

Ein reiner Grammpreis reicht selten aus. Er ignoriert Maschinenzeit, Einrichtung, Nachbearbeitung, Fehldrucke, Verpackung und Gemeinkosten. Berechne das Filament pro Gramm und ergänze alle weiteren Kosten vor der Marge.

Sollte ich die Maschinenzeit des 3D-Druckers berechnen?

Ja. Der Maschinensatz sollte Abschreibung, Wartung, Ersatzteile und die Belegung des Druckers durch diesen Auftrag abdecken.

Welche Gewinnmarge ist beim 3D-Druck sinnvoll?

Es gibt keine allgemeingültige Marge. Sie hängt von Markt, Komplexität, Risiko und deinen betrieblichen Zielen ab. Marge und Aufschlag dürfen dabei nicht verwechselt werden.

Wie berücksichtige ich Fehldrucke im Angebot?

Ermittle deine normale Ausfallquote aus vergangenen Aufträgen und verteile die erwarteten Ausfallkosten auf erfolgreiche Aufträge.

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